Mit Wissen helfen -- sich selbst und anderen


Persönliches Statement


Das folgende Statement entstand auf eine Bitte, bei einem Autorentreffen über meine Gründe zu sprechen, "Rotkäppchens Schweigen" zu schreiben.


Ich habe das Statement „Irgendwer musste es ja schreiben“ genannt.

 

"Es ist schlimm, wenn man ein Kind ist und sexuell missbraucht wird.

Es ist schlimm, wenn niemand einem hilft und es immer weitergeht und man daran fast verrückt wird.


Es ist vielleicht noch schlimmer, wenn man erwachsen ist und den Wahnsinn der Kindheit immer noch in sich trägt und wenn man Hilfe sucht, und alles, was man erfährt, ist weitere Entwürdigung.


Es ist schlimm, dass es zur Meinungsfreiheit gehört, sich über Opfer sexuellen Missbrauchs öffentlich lustig machen zu dürfen, sie zu verhöhnen.


Es ist schlimm, niemanden vor den Tätern warnen zu dürfen, weil das Verleumdung ist, ein Straftatbestand. Es ist schlimm, kein Strafverfahren haben zu können, weil man erst zu krank und später die Sache zu lange her war. Es ist schlimm, Opfer dieser Verbrechen zu sein und es einfach nicht beweisen zu können.


Es ist schlimm, von manchen, die man um Hilfe bittet, das Gleiche zu hören, das die Täter sagen. Es ist schlimm, das letzte und mindeste kleine Menschenrecht abgesprochen zu bekommen, von Ärzten, Zeitungen, dem Fernsehen, Richtern, wohlmeinenden Beratern. Und dieses Menschenrecht besteht einfach nur darin, dass man Zeugnis über sein eigenes Leben ablegen darf.


Das Schlimmste von allem aber ist, dass all das, was wir Opfer und die Menschen, die uns glauben und helfen, erleben müssen an Verhöhnung, Verleumdung und Diffamierung Teil eines Ganzen ist, in dem die Täter weiter gefahrlos Kinder zerstören können. Unser heutiges Leid ist Teil eines Ganzen, in dem Kinder immer noch nicht beschützt werden."

 

Ich bin sicher: Es wird nie aufhören, bevor nicht der Wahrheit Geltung verschafft wurde. Und zur Wahrheit gehört nicht nur die sexuelle Gewalt, sondern auch: Lügen, Betrug, Diffamierung, Einschüchterung, das Dummhalten der Allgemeinheit unter Mitarbeit der Medien. Und es gehört dazu: Die Untätigkeit von Politik und Polizei, ein skandalöses Nichtstun und Abwälzen auf private Initiativen, die doch nicht mehr können, als Tröpfchen auf einen kochendheißen Stein zu träufeln.