Mit Wissen helfen -- sich selbst und anderen


Schwieriges Thema: Sexueller Missbrauch


Ich bin eine von Millionen Erwachsenen in Deutschland, die als Kind sexuell missbraucht wurden. In meiner Kindheit, in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, war der sexuelle Missbrauch von Kindern im öffentlichen Bewusstsein praktisch nicht existent, die Chancen auf Hilfe gleich Null.

Heute ist die Situation eine andere. Bereits im Jahr 1983 wurde in Berlin die erste Beratungsstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs gegründet: Wildwasser. In jeder Stadt gibt es heute ähnliche Beratungsstellen. Dazu wird in den Medien recht häufig über Fälle sexuellen Missbrauchs berichtet.

Da mag man denken: Es wird doch etwas getan.


Erfreulich ist ...

  1. Ein großer Teil von Opfern hat Zugang zu Hilfsangeboten, sodass man den Opfern sagen kann:

    Wenn du es überlebst und wenn du dem Einfluss des Täters oder der Täter entkommst, kannst du Menschen finden, die dir helfen, deine Erlebnisse zu verarbeiten und wieder zu einem lebenswerten Leben zu finden.

  2. Vielleicht noch wichtiger: Viele Projekte befassen sich damit, Kinder „stark“ zu machen, sie aufzuklären und zu trainieren.


Das ist sehr viel. Aber es ist leider nicht genug:



Unerträglich bleibt ...

  1. Bei Missbrauch in der Familie (oder durch die Familie gedeckt), beim Missbrauch kleiner Kinder, in Kindergärten und/oder Missbrauch durch organisiertes Verbrechen („Kinderpornografie“) ist es auch heute noch oft praktisch unmöglich, etwas zum Schutz der Kinder zu unternehmen.

  2. Je schlimmer der Missbrauch, je kranker die Opfer - um so sicherer sind die Täter vor Strafverfolgung.

  3. Therapien und Gutachten für Täter schöpfen bei Weitem nicht die Möglichkeiten fortschrittlicher Methoden aus. Einfach gesagt, haben sich therapeutische „Schulen“, die vor Jahrzehnten begründet wurden, durchgesetzt, und das Wissen von Hirnforschern und Fachleuten für sexuellen Missbrauch bleibt ungenutzt – Bei der Folgenschwere von Fehlern in der Arbeit mit Tätern: ein Skandal.

  4. Die Öffentlichkeit, auch die Fachöffentlichkeit, ist einer Flut von Fehlinformationen zum Thema ausgesetzt, die ihren Ursprung in einer einflussreichen US-amerikanischen Verteidigungsstrategie für Missbrauchsverdächtige hat. Unsummen wurden damit verdient, Helfern von Opfern nachzuweisen, dass sie angeblich die „wahren Täter“ seien. Einige Wissenschaftler haben ihnen dabei tatkräftig geholfen.

Fast jeder Mensch hält folglich auch in Deutschland Lügen und Irrtümer über sexuellen Missbrauch für wissenschaftlich oder juristisch erwiesen. Vor allem, wenn er gebildet ist oder Leser der ZEIT, des SPIEGEL oder wenn er im Fernsehen regelmäßig Kulturjournale verfolgt, welche die US-amerikanischen „Erkenntnisse“ bis heute unkritisch verbreiten. – Normale, „unverbildete“ Menschen erkennen die Lügen häufig sofort als das, was sie sind.

Für Interessierte: Diese Fehlinformation lässt sich wie folgt zusammenfassen:

1. Sexueller Missbrauch wird häufig eingeredet

2. Eingeredeter Missbrauch unterscheidet sich in den Folgen von echtem Missbrauch entweder gar nicht oder dadurch, dass die erinnerten Taten schlimmer sind und dass die Opfer zeitweise an Amnesien litten

3. Die Beschuldigten können gar nicht schuldig sein

Zusammenfassend lässt sich das Gebäude von Fehlinformationen so beurteilen: Jede entscheidende Behauptung darin ist entweder
- Unbewiesene Behauptung und/oder
- Nachweislich falsch oder
- Nach heutigem Stand der Forschung faktisch unmöglich.


(Detailliert und mit Quellenangaben in "Rotkäppchens Schweigen" nachgewiesen)


Links

Hintergründe zum Buch "Rotkäppchens Schweigen
Ausführliche Infos zum Buch
"Falsche Erinnerungen" an sexuellen Missbrauch